Printmedien und die Umwelt

Entscheidungsträgern in der Werbebranche ist auch Nachhaltigkeit wichtig - nicht nur, wenn es sich um die Nachhaltigkeit ihrer Botschaften dreht, sondern auch wenn es um die ökologische Nachhaltigkeit der verwendeten Kommunikationskanäle geht. 80% der Mediaeinkäufer geben an, dass Überlegungen zum Umweltschutz ihre Entscheidungen beeinflussen. Viele Entscheidungsträger zweifeln an der Nachhaltigkeit von Papier und Printprodukten. Leider wird in der laufenden Diskussion meist mit kaum fundierten Mythen argumentiert. Um dem entgegenzuwirken, listen wir nachfolgend die fünf wichtigsten Fakten zum Thema auf:

 

PAPIER WIRD AUS NACHHALTIGEN ROHSTOFFEN ERZEUGT

Papier hat außergewöhnliche ökologische Eigenschaften: Es ist natürlich, kompostierbar, wiederverwertbar und stammt aus einem unendlich oft erneuerbaren Rohstoff: In ganz Europa wächst der Wald um eine Fläche von 1,5 Millionen Fußballfeldern – pro Jahr! Auf der Nordhalbkugel unserer Erde schätzt die Welternährungsorganisation FAO den jährlichen Zuwachs auf fünf Prozent. Aber nicht nur der Rohstoff ist erneuerbar. Auch im Produktionsprozess setzt die Papierindustrie auf Nachhaltigkeit: 83 Prozent der papiererzeugenden Betriebe in Europa sind als nachhaltig und ökologisch geführte Systeme zertifiziert. Außerdem hat die Papierindustrie in Europa einen verbindlichen Verhaltenskodex unterzeichnet, der die illegale Abholzung von Wäldern und ähnliche kriminelle Aktivitäten klar verurteilt. Für die Papierindustrie wird übrigens relativ wenig Holz verbraucht: Nur rund 11 % des weltweit geschlagenen Holzes wird für die Papierproduktion verwendet, der Rest entfällt auf Energieproduktion und den Holzbedarf von Sägebetrieben (Quelle: Welternährungsorganisation FAO, 2007). Dazu kommt, dass für die Papierindustrie im Allgemeinen die Abfallprodukte aus dem Holzschnitt oder Holz minderer Qualität, das etwa für die Möbelproduktion nicht in Frage käme, verwendet wird.

AUCH DIGITALE MEDIEN HABEN EINEN ÖKOLOGISCHEN FUSSABDRUCK

Während die Effizienz von elektronischer Kommunikation außer Zweifel steht, rückt der ökologische Fußabdruck, den diese hinterlässt, immer mehr ins Blickfeld: Denken Sie nur an den Energiebedarf des weltweit wachsenden Netzes an Servern! Es ist legitim, die Effizienz elektronischer Kommunikation zu schätzen – dass diese nicht unbedingt mit mehr Nachhaltigkeit einhergeht, steht auf einem anderen Blatt. Ein Beispiel: Der „ökologische Fußabdruck“ durch das Lesen einer Tageszeitung ist um 20 Prozent niedriger, als jener, der beim Lesen derselben Nachrichtenmenge über Online-Medien entsteht (Quelle: Königlich-Schwedisches Institut für Technologie) Der hohe Energieverbrauch für digitale Medien wird auch mit neuer Technologie weiter steigen. Und die Entwicklung elektronischer Medien hat den steigenden Bedarf an Druckpapier in Westeuropa bisher kaum abgeschwächt. Der Grund: Wir verwenden das Internet, um Informationen zu erhalten – und Papier bzw. gedruckte Medien, um diese Informationen auch zu verstehen!

 

 

DIE ZERTIFIZIERUNG VON PAPIER HILFT DER UMWELT

Die europäische Papierindustrie unterstützt die Zertifizierung von Holz, um zu nachhaltiger Forstwirtschaft beizutragen. Die Zertifikate, die nach klar definierten Kriterien von unabhängigen Auditoren ausgestellt werden, machen die Herkunft von Holz für Kunden und Konsumenten nachprüfbar. Zu diesen Zertifizierungssystemen zählen beispielsweise das Forest Stewardship Council (FSC) und das Programme fort he Endorsement of Forest Certification schemes (PEFC). Rund 69 Prozent der Holzmenge in Österreich waren 2007 bereits nach anerkannten Systemen zertifiziert, Tendenz weiter steigend. Und von jenen Wäldern, die im Besitz von papiererzeugenden Unternehmen stehen, sind mittlerweile sogar schon 82 Prozent zertifiziert. Die Papierbranche zeigt hohes Engagement, die Herkunft der Rohstoffe aus nachhaltiger Forstwirtschaft sicherzustellen. Und immer mehr Unternehmen produzieren ihre eigenen Publikationen, Flugblätter und Print-Werbung auf ausschließlich zertifiziertem Papier. Die gesamte Buchbranche in Deutschland verwendet nur noch zertifiziertes Papier, und auch bei Möbelriese IKEA gelten strenge Regeln, was die Herkunft des Papier betrifft. “Wir verlangen von den Papiererzeugern zertifizierte Umweltmanagementsysteme und haben sehr strenge Regeln, was die Herkunft der Papierfasern für die Papierproduktion betrifft,” erklärt Joana Barata Correia, zuständig für “Media Sustainability” bei IKEA. “Wir haben auch Maximalwerte für Schadstoffemissionen sowie Richtlinien für den Verbrauch von Energie und Wasser.”
   

 

DIE PAPIERINDUSTRIE SETZT AUF ENERGIE-EFFIZIENZ

Viele Leute denken, dass bei der Papierproduktion eine Menge Energie benötigt wird. Das ist falsch. Eine Person verbraucht im Durchschnitt 200 Kilogramm Papier pro Jahr. Um diese Menge zu produzieren, werden 500 bis 560 Kilowattstunden Energie benötigt. Das entspricht in etwa dem Energieverbrauch eines Computers, der fünf Monate lang läuft. Oder dem Energieverbrauch einer 60 Watt-Glühbirne, die ein Jahr lang leuchtet. (Quelle: ATS Consulting, August 2007). Die Papierindustrie arbeitet aus ökonomischen und ökologischen Gründen ständig an der Optimierung ihrer Prozesse. Die österreichische Papierindustrie hat die fossilen CO2-Emissionen pro Tonne Papier im Zeitraum 1990 bis 2006 um 30 Prozent reduziert. Dazu kommt, dass die Papierindustrie der größte industrielle Erzeuger und Verwender von Bioenergie ist. Laut einer Studie von CEPI Paperonline ist die Papierindustrie die wichtigste “Bioenergie-Triebkraft in Europa.”

 

ÖSTERREICH IST WELTMEISTER IM PAPIER-RECYCLING

Das unendliche Recycling wird ebenso ein Traum bleiben wie das Perpetuum Mobile. Trotzdem ist die Papierindustrie nicht weit davon entfernt. Schon neun von zehn Zeitungen und ebenso neun von zehn Wellpappeschachteln werden aus Altpapier hergestellt. In ganz Europa liegen die Recyclingraten bei rund 66 Prozent und Österreich ist im internationalen Vergleich der absolute Spitzenreiter: Hierzulande liegt die Recyclingquote deutlich über 100 Prozent, es wird also sogar mehr Altpapier wiederverwertet, als neues Papier verbraucht wird. “Je mehr Papier verbraucht wird, umso mehr Bäume werden (von der Papierindustrie und ihren Zulieferern, Anm.) gepflanzt” sagt Edward L. Glaeser, Professor für Volkswirtschaft an der renommierten Universität Harvard. “Wenn wir größere Wälder wollen, müssen wir mehr Papier verbrauchen, nicht weniger.”